From the President’s Desk

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Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen,

das neue jüdische Jahr  5778 hat begonnen.

 

Wir sind in der Zeit der Besinnung um Jom Kippur.

Die Bundestagswahl 2017 lag in der Zeit zwischen Rosh Hashanah und dem Versöhnungstag.

Dies scheint eine besondere Konstellation zu sein; denn unsere Republik wird neu programmiert. Eines wissen wir schon jetzt: Es wird alles anders; die vergangenen vier Jahre der Legislaturperiode haben viel verändert. Die Vereinigung der beiden deutschen Staaten besteht bald länger als die Mauer stand. Eine Mauer ist aber geblieben, eine Mauer zwischen Reich und Arm, zwischen Computeraffinen und Nicht-Affinen, zwischen Privilegierten und Nicht-Privilegierten, zwischen Stadt und Land.

Es ist die Herausforderung, die immer noch existiert, uns betroffen macht und dem europäischen Einigungsprozess erhebliche Hindernisse in den Weg stellt.

Separationsbewegungen werden sich innerhalb der europäischen Gemeinschaft fortsetzen. Beginnend mit dem Brexit werden wir mit Ungarn, Polen, Spanien und den Separatistenbewegungen große und tief gehende Einbrüche erleben, die die Einheit und die Schlagkraft Europas erheblich beeinträchtigen werden.

-in Frankreichs erleben wir den größten Exodus jüdischer Menschen seit der Besatzung durch Deutschland im Zweiten Weltkrieg;
-in Deutschland selbst ist der  Antisemitismus deutlich im Anstieg begriffen und jüdische Menschen fragen sich hier, welchen Weg diese Republik nach den Bundestagswahlen nehmen wird;
-in Österreich registrieren wir einen deutlichen Rechtsruck mit latentem Antisemitismus.

Werden wir, wie bisher, in der Lage sein, tolerant und konstruktiv eine gefestigte demokratische Republik in Deutschland erhalten?

Sind die Zeichen an der Wand -islamistische Ausschreitungen, Anschläge, deutlicher Anstieg der offenen Judenhetze- die Entwicklungen, die auch Deutschland bevorstehen?

Werden wir weiter in der Lage sein, die Dinge beim Namen zu nennen, oder wird jeder Anschlag in Deutschland durch die Gutmenschenpresse gedeckt, weil Namen und Herkunft der Urheber verschwiegen werden?

Wir jüdischen Ärzte haben spätestens jetzt unser Wort zu erheben:
-gegen Antisemitismus,
-gegen falsche Deutschtümelei
-gegen aufkeimenden Stolz auf eine Wehrmacht die ebenfalls für die Ermordung jüdischer Menschen verantwortlich war.

So vollzieht sich die Kulturveränderung ungebremst, zunächst durch den Anstieg des muslimischen Bevölkerungsanteils, dann aber auch durch ein schwaches, naives, ignorantes und gesättigtes Establishment.

Der verbreitete  Ungeist der 68er Zeit in Justiz und Verwaltung führt seelenruhig seine unheilige Agenda fort. Diese Realität wird von der Politik und den Mainstream-Medien nicht gesehen oder bewusst verschwiegen und bisweilen beschönigend dargestellt.

Welche Antworten wird die neue Bundesregierung auf diese Veränderung geben?

Diese Herausforderungen können entweder zur Fortsetzung der bestehenden Ignoranz und Untätigkeit führen, oder zu einer Politik die sich der Gefahren für die Bundesrepublik und Europa stellt.

Keinesfalls können wir als jüdische Ärzte eine Fortsetzung des islamistischen Terrors und der judenfeindlichen Gewalt dulden.  Wir fordern von den Politikern und den Mainstream-Medien, dass diese Realität erkannt und benannt wird.

Keinesfalls dulden wir „Juden ins Gas“-Rufe, keinesfalls lassen wir uns nehmen, den Davidstern offen auf den Straßen dieser Republik zu tragen; keinesfalls dulden wir, dass wir keine Kippa auf dem Kopf tragen dürfen; egal ob in Neukölln, Friedenau oder Marzahn.
Dieses universelle Bedrohungspotential, welches sich auf der Welt entwickelt, ist von Zufall weit entfernt und beeinflusst bereits jetzt viele Entscheidungen, auch Regierungsentscheidungen.

Unvorstellbar, aber wahr: Auch Juden in Deutschland suchen verzweifelt nach Alternativen! Hat dieses Europa –so fragt man sich- nicht nur mit Frankreich einen Totalausfall von Schutz jüdischer Menschen gegenüber antisemitischen Übergriffen zu erleiden? Ist Neukölln nur ein Vorbote für eine neue Realität?

Jedenfalls scheint eins sicher: Die Wertewelt, die wir kannten, hat ihre festgefügten Mauern, ihre Dächer verloren! Im Angesicht der ungeheuren Verbrechen, die in Syrien, Iran, Afghanistan oder im Irak geschehen, fällt der Weltgemeinschaft,  der UNO und der UNESCO nur eins ein – Israel zu verurteilen! Damit berauben sie sich jeglicher Legitimität.

 

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

es ist das erste Mal, dass ich mich so ausführlich über die derzeitige politische Situation äußere.

Ich tue dies in Anbetracht der jüdischen Feiertage, in Anbetracht der Wahlergebnisse und in Anbetracht der Werte, auf die wir uns gerade dieser Tage zu besinnen haben. Diese sind unser Anker, unsere Orientierung und unser Halt, mit dem wir  in unserem Beruf hier in diesem Lande segensreich wirken können.

Shana Tova 5778

Chag Sameach

Vorsitzender
Roman M. Skoblo

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